Warum Fliegende Fische fliegen / Unser erster Langtörn, nur auf uns allein gestellt

Warum Fliegende Fische fliegen / Unser erster Langtörn, nur auf uns allein gestellt

  • Beitrags-Kategorie:Segeltörn

Nur wir beide auf unserem ersten Langtörn, das stand mir schon etwas bevor. Wird die Wetterprognose auch genauso eintreffen wie bei PredictWind vorausgesagt? Wie komme ich mit den Nachtfahrten zurecht und wie werden Hannes und ich während dieser doch etwas extremeren Situation miteinander klarkommen? Alles Gedanken, die mich vor dem Start bewegt haben. Als eine wenig erfahrene Seglerin, eine absolute Premiere und für Hannes als verantwortlicher Skipper auch eine neue Erfahrung. Nach 6,5 Tage haben wir den Törn erfolgreich gemeistert, sind ziemlich erschöpft aber auch mächtig stolz auf uns, endlich die Bucht in Mindelo erreicht zu haben. Gehofft hatten wir die Strecke in 5 Tagen zu schaffen, aber unterschiedliche Windstärken und -richtungen haben den Törn doch ein wenig länger werden lassen.

Es geht los!

Unser Starthafen war Puerto de la Estaca auf El Hierro. Geplant hatten wir die Überfahrt bereits für irgendwann um den 23.09.2021 zu starten, losgekommen sind dann doch erst am 06.10.2021. Täglich hat Hannes über PredictWind das Wetter überprüft. Ein immer heftiger werdender Wind, der uns auch in der Marina Puerto de la Estaca erwischt hat, ließ uns das Startdatum immer wieder verschieben. In der Woche ab dem 03.10.2021 sah es dann endlich etwas entspannter aus. Um wirklich sicher zu gehen, dass wir uns auch wirklich auf PredictWind verlassen können, war es mir ein Anliegen, über Wetterwelt in Kiel eine weitere Wettermeinung einzuholen. Nachdem uns die Meteorologin für den 05.10. bzw. 06.10.2021 grünes Licht gegeben hat, entschieden wir uns für den 06.10.21, da es den Anschein hatte, eine niedrigere Welle zu erwischen, also mehr Tendenz zu 1-2 m als 2-3 m.

Mit allen Segeln Richtung Süd-West

Mit vollen Segeln verlassen wir gegen 09:00 Uhr die Hafeneinfahrt in El Hierro Richtung Süden. Avisiert ist ein guter Nord-Ost Passat, so dass wir hoffen, später den Parasailor setzen zu können. Auf Höhe Restinga, dem südlichen Hafen von El Hierro, ist es dann so weit, dass wir das Großsegel runter nehmen wollen. Bei dieser Aktion gleich der erste Schreck; die erste Reffleine scheint verklemmt zu sein, tut sich schwer und gibt dann mit einem Knall nach. Hannes schreit nur „Schei… die Reffleine ist gerissen“. Kurz danach reißt auch noch die „Monkey-Line“, die wir benötigen, um die Mastrutscher für das Großsegel runterzubekommen. Diese gleiten leider nicht so geschmeidig runter, wie sie eigentlich sollten. Glücklicherweise stellt sich raus, dass die Reffleine nicht gerissen ist. Sie scheint nur kurz gehakt zu haben und hat sich dann ruckartig gelöst. Die Monkey-Line ist nun einen Hauch kürzer und wird wieder neu am obersten Mastrutscher verknotet. Alles noch mal gut gegangen! Nachdem wir die Fock auch eingeholt haben, kann der Parasailor gesetzt werden.

Kein Appetit auf große Malzeiten

Normalerweise ist Seekrankheit für mich kein Thema, habe ich zu mindestens bis jetzt gedacht. Die ersten drei Tage auf diesem Törn haben mich allerdings eines Besseren belehrt. Ständig wurde ich von einer leichten Übelkeit begleitet, war leicht lethargisch und unglaublich müde. Erst am 4-ten Tag ging es mir erheblich besser und alle Beschwerden waren wie weggeblasen. Nach wie vor hielt sich mein Appetit allerdings in Grenzen und ich mochte auch nur bestimmte Sachen essen – eher in Richtung herzhaft und leicht salzig. Hannes hatte zwar keine Probleme, bei ihm hielt sich der Appetit allerdings auch zurück. Eine gute Gelegenheit, die in den letzten Monaten auf den Kanaren angefutterten Kilos wieder etwas zu reduzieren. Nur schade, dass ich viel zu viel Essen vor der Abfahrt vorgekocht habe. Von den drei zur Auswahl stehenden Gerichten, hat uns eigentlich auch nur die Nudel-Bolognese-Sauce richtig geschmeckt. Zwei andere asiatische Gerichte mit Kokosmilch und Teriyaki Sauce gingen irgendwie gar nicht, obwohl wir beides normalerweise sehr gerne essen.

Keine geruhsame Nacht

Besonders anstrengend sind für mich die Nachtwachen. Über den Tag verteilt, wechseln wir uns alle 4 Stunden ab. Diese Einteilung wird mehr oder weniger von uns eingehalten. Je nach Bedarf sprechen wir uns auch ab, wenn der eine oder andere außer der Reihe mal schlafbedürftig ist. Anders die Nachtwache. Hier haben wir einen 2 Stunden Rhythmus. 2 Stunden schlafen, vom Wecker aus dem Tiefschlaf geweckt werden, rein in die Klamotten und 2 Stunde Wache schieben und das 3 x mal die Nacht. Ich denke für unsere nächsten Nachttörns, sollten die Wachzeiten auf mind. 3 bis 4 Stunden aufgestockt werden. Mal sehen, ob ich da besser mit klar komme. Hannes schläft die meiste Zeit irgendwie auf „Standby“, immer ein Ohr an allen Geräuschen und Bewegungen des Schiffs. Sein Schlafrekord liegt wohl so bei 1,5 Stunden am Stück während unserer Passage.

Freizeitgestaltung

Nun verfügt man bei einem längeren Törn über reichlich freie Zeit, wenn nicht gerade die Segel in irgendeiner Form angepasst werden müssen, in der eigentlich ganz viel gemacht werden könnte. E-Bücher sind reichlich vorhanden, Hannes könnte weiter an seinen YouTube-Filmen arbeiten oder ich den nächsten Eintrag für unsere Web-Seite vorbereiten. Trotz nachlassenden Symptomen der Seekrankheit, können wir uns zu diesen Dingen noch nicht aufraffen. Allerdings sind Hörbücher, auch gerade für die Nachtwache, eine willkommene Unterhaltung. Nach ein paar Tage kommt es sogar vor, dass wir ein bißchen würfeln oder Karten spielen.

Erstaunliche Lebewesen des Meeres

Viel Zeit haben wir auch damit verbracht, einfach auf das Meer zu gucken. Eine herrliche Form der Entspannung. Zwischen den Kanaren waren die Begegnungen mit Delfinen oder gelegentlich mit Grindwalen aufregend. Beide haben sich leider während der gesamten Strecke nicht gezeigt. Besonders spannend sind für mich aber die fliegenden Fische. Total faszinierend, welche weiten Strecken die Fische außerhalb des Wassers zurücklegen. Einzeln oder als Schwärme von ca. 20 oder mehr Fischen werden Strecken von ca. 10 Metern zurückgelegt. Mal gerade aus oder mit diversen Kurven verbunden, bevor sie wieder im Meer verschwinden. Zweimal hat sich auch ein fliegender Fisch etwas verflogen und ist bei uns an Deck gelandet. Den einen kann ich gerade noch retten und wieder zurück ins Meer befördern, bei dem Zweiten ist es leider schon zu spät. Warum fliegende Fische nun fliegen, konnten wir nicht genau ergründen. Eine Möglichkeit wäre die Flucht vor Räubern unter Wasser, dafür besteht dann die Gefahr Opfer der Räuber in der Luft, wie Möven oder anderer Vögel, zu werden. Eine andere Theorie war, die aber etwas abwegig erscheint, die Fische sind außerhalb des Wassers auf der Jagd nach Insekten.

Der fliegende Fisch hat sich leider etwas verflogen und konnte nicht mehr gerettet werden.

Land in Sicht ... die Kap Verden tauchen vor uns auf

Als wir am 12.10.2021 dann endlich die Kap Verden erreichen und den Anker vor der Marina Mindelo werfen, sind wir glücklich, endlich hier zu sein. 6,5 Tage mit wenig Schlaf, voller Konzentration für diverse Segelmanöver und der ständigen, recht lauten Geräuschkulisse von Scheppern, Donnern, Knallen und Zischen, sind wir schon recht platt und freuen uns auf ein kaltes Anlege-Bier und einer ordentlichen Mütze voll Schlaf.

Die knappe Woche hat uns als Zweier-Team weiter zusammenwachsen lassen, der Ablauf der Segelmanöver klappt immer besser und ich konnte viele Erfahrungen sammeln. Für Hannes ist es eine gelungene General-Probe für die bald anstehende Atlantik-Überquerung mit seinen beiden Freunden. Für mich geht es erstmal in den Heimat-Urlaub und freue mich auf weitere spannende Erlebnisse.

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