Lanzarote und La Graciosa

Lanzarote ist unser erste Stopp auf den Kanarischen Inseln und hat uns bereits sehr begeistert. Auf den ersten Blick recht karg aber durch seine vulkanische Geschichte hat die Inseln sehr interessante Sehenswürdigkeiten zu bieten. Vor allem dem Einfluss des Künstlers César Manrique ist es zu verdanken, dass das äußere Erscheinungsbild nicht durch touristische Bausünden verschandelt wurde, außerdem trifft man auf der ganzen Insel auf diverse Sehenswürdigkeiten, die von ihm mitgestaltet worden sind. In fast 5 Wochen sind wir mit dem Katamaran zwei Mal um die Insel gefahren, waren mit den Fahrrädern und mit einem Mietauto unterwegs. Wirklich lohnenswert ist auch ein Besuch der im Norden vorgelagerten Insel La Graciosa, welche durch ihre spröde Landschaft mit tollen Stränden bezaubert.

Arrecife

Charco de San Gines

Die Marina in Arrecife war für die ersten 3 Wochen auf Lanzarote unser zuhause. Für den Auftakt unserer Kanaren-Tour was dies ein idealer Standort. Zu einen hatten wir von hier aus die Möglichkeit, viele Besorgungen zu erledigen, u.a. gab es IKEA und Lidl in der Nähe. Damit kamen fast heimatliche Gefühle auf. Gerade Ikea war sehr hilfreich, da gerade nach „Einzug“ auf die MariaNoa noch diverse Kleinigkeiten für die Küche oder für die Aufteilung der Schränke fehlten, die wir dort problemlos besorgen konnten. Zum anderen konnten wir auch zu Fuß auf Erkundung vieler Sehenswürdigkeiten gehen.

Der malerische Binnenhafen „Charco de San Ginés“ mit div. kleinen Fischerbötchen, den umliegenden blauweißen Häusern und die Außengastronomie war für uns gerade in den Abendstunden ein sehr schönes Ziel für einen Spaziergang mit Einkehr. Das heutige fotogene Erscheinungsbild des Binnenhafens, gehört auch zu den Verdienten von César Manrique. Angrenzend an den Binnenhafen befindet sich die Altstadt mit einer größeren Einkaufsstraße, lohneswert war die Einkehr in das stilvolle Einkaufszentrum Mercadillo. Eine kurze Besichtigung der Pfarrkirche San Ginés hat sich Hannes auch nicht nehmen lassen.

Wasserseitig fast eingerahmt wird Arrecife von den beiden Castillos: Castillo de San Gabriel und Castillo de San José, welche jeweils ein Museum beherbergen. Besucht haben wir allerdings nur das Castillo de San José, wo Kunstwerke u.a. von Cesar Manrique und anderen lokalen Künstlern ausgestellt werden. Richtig schön war auch unser kurzer Besuch im darin befindlichen Restaurant, wo wir uns einen Drink gönnten, um den herrlichen Ausblick auf die Hafeneinfahrt und den schönen Lava-Stein-Garten zu genießen. Selbst vom Klo aus, gab es einen Fototapeten-ähnlichen Ausblick mit der Aida-Perla, die gerade zu Besuch war.

Zwei Ausflüge mit dem Fahrrad waren leider nicht so erfolgreich. Als erstes Ziel hatten wir uns den Jardin de Cactus, natürlich wieder ein Werk von Manrique, ausgeguckt. Die Wegstrecke hatten wir ein wenig unterschätzt und waren auch etwas zu spät am Tag gestartet. Auf zwei-drittel der Strecke haben wir uns dann zur Umkehr entschlossen. Wir wollten den Besuch eigentlich zu einem späteren Zeitpunkt nachholen, haben es dann doch nicht mehr geschafft. Das zweite Ziel war das erste Wohnhaus von Manrique, wo er auf einem erstarrten Lavafluss ein Haus gebaut hat und einzelne Lavablasen als Zimmer mit integrierte. Obwohl sämtliche andere Sehenswürdigkeiten auf Lanzarote geöffnet hatten, zum Teil mit etwas reduzierten Öffnungszeiten, war diese Ausstellung leider aufgrund von Corona geschlossen. Das war schon sehr schade, aber wir können uns glücklich schätzen, dass wir trotzdem einen Großteil der anderen Highlights, die die Inseln zu bieten hat, besuchen konnten.

Inselrundfahrt über Lanzarote

Da der Radius zu Fuß oder mit dem Fahrrad vom Boot aus schon etwas begrenzt ist, haben wir uns an verschiedenen Tagen einen Mietwagen gegönnt, um uns von Landseite einige der schönsten Highlights der Insel anzusehen. Faszinierend ist einfach die vulkanische Landschaft der Insel und wie diese von den Lanzarotenos in ihr Leben integriert wurde, hervorzuheben ist dabei immer wieder, wie der Künstler Cesar Manrique maßgeblich für die schöne Architektur der Insel und der Darstellung vieler Sehenswürdigkeiten verantwortlich war. Als wir uns mit der Planung der einzelnen Attraktivitäten beschäftigt haben, haben wir uns bereits sehr auf deren Besichtigung gefreut, bei den tatsächlichen Besuchen waren wir richtig begeistert, da unsere Erwartungen bei weitem übertroffen worden sind.

Vulkanlandschaft

Es ist wirklich kaum zu glauben, dass die letzten Vulkane auf der Insel erst vor knapp 200 Jahre ausgebrochen sind. Das Gebiet dieser Ausbrüche umfasst heute den Nationalpark „Timanfaya“ einer der Höhepunkte unserer Autoerkundungstour. Das Kerngebiet des Parkes kann allerdings nur mit einer geführten Bustour besucht werden, ist dadurch aber nicht minder faszinierend. Im Bereich des Restaurants wurde uns die noch sehr aktive Hitze an der Erdoberfläche demonstriert: 

Hähnchen-Grill nur durch Erdwärme gegart, kleine Strohkugeln in minutenschnelle in Erdlöchern entzündet oder kleine Wasserdampfsäulen durch in den Boden gegossenes Wasser erzeugt.

Besonders begeistert waren wir auch von den verschiedenen Höhlen, die im Norden der Insel zu besuchen sind. Jameos del Agua, mit dem traumhaft schönen blauen Pool draußen (natürlich von Manrique), dem Salzwassersee und dem wunderschön angelegtem gastronomischen Bereich. Den Cueva de los Verdes, einem 7 KM langes Höhlensystem. Die geführte Tour lief durch einen kleinen Teil des Systems, welche durch farbige Beleuchtungen toll in Szene gesetzt wird. Was den beiden Höhlen noch das i-Tüpfelchen aufsetzte, waren die sog. Konzerträume. Leider natürlich zu Corona-Zeiten im Moment nicht möglich. Ein klassisches Konzert in dieser ganz besonderen Atmosphäre muss schon ein besonderes Erlebnis sein.

Weine auf Lanzarote

Auf den ersten Blick kann man es sich gar nicht vorstellen, wenn man die karge vulkanische Landschaft der Insel in Augenschein nimmt, aber hier wird tatsächlich Wein angebaut. Erst haben wir vergeblich Ausschau nach den „Weinbergen“ gehalten. Am Rande des Timafaya-Park sind wir in dem Gebiet „La Geria“ mit diversen Bodegas und den Weinhügeln fündig geworden. An den Hügeln und im Tal reihen sich die Lavamauern sichelförmig aneinander um den Wein vor dem Wind zu schützen. Wir haben zwei Bodegas besucht, mussten aber feststellen, dass diese sehr kommerziell und touristisch sind. Viel besser hat uns eine kleine Bodega im Norden gefallen, wo wir spontan aufgrund eines Hinweisschildes eingebogen sind. In dem kleinen Verkaufsraum wurden wir gleich mit diversen Gläsern incl. Weinproben eingedeckt. Dazu gab es verschiedene selbstgemachte Mojos, Käse und Brot. Besonders beeindruckt waren wir von den verschiedenen Spezialitäten aus Kaktus, den Feigen und Blüten. Am Ende sind wir mit vollen Händen aus dem Laden gezogen, zum Glück hatten wir ein Auto zum Transport dabei.

Ein kulinarischer Ausflug und weitere Sehenswürdigkeiten an der Küste

Besonders schön war unser Besuch in dem Fischerdorf El Golfo. Wo zum einem der grüne „Charco de los Clicos“ inmitten des schwarzen Strandes zu bewundern war, aber die eigentliche Attraktion für uns war das tolle Essen in einem der Fischrestaurants. Hier waren wir einer Empfehlung eines Deutschen, der schon länger auf Lanzarote lebt gefolgt und nicht enttäuscht worden. Was ist schöner als draußen direkt mit Blick auf das Meer leckeren Fisch zu genießen. Als Vorspeise haben wir das erste Mal „Lapas con mojo verde“ probiert. Diese Spezialität ist unbedingt zu empfehlen. Wir waren begeistert von dem Geschmack. Lapas sind Napfschnecken, die aussehen wie Muscheln und auf den kanarischen Inseln sehr beliebt sind. Als Hauptspeise haben wir uns einen Red Snapper gegönnt, der unser Fisch-Feinschmecker-Herz höher schlugen ließ.

Nicht weit weg von El Golfo machten wir noch einen Verdauungsspazierung durch Los Hervideros, um uns das Naturschauspiel von der heranbrausenden Brandung in die zerklüftete Lavaküste anzusehen. Das Wasser wird in Grotten, Höhlen und Schluchten sozusagen reingepeitscht und spritzt teilweise nach oben. Eine faszinierende Vorstellung der Natur.

Etwas längere Zeit haben wir in dem Hafen Rubicon im Süden der Insel verbracht. Von den drei Häfen(Arrecife und Puerto Calero), die wir auf Lanzarote besucht haben, haben wir uns hier am wohlsten gefühlt. Der Ort ist zwar sehr touristisch geprägt, trotzdem sehr ansprechend angelegt. Nicht weit weg von hier sind die Papagayo Strände. Zauberhafte Buchten mit weißem Strand und sehr schön zum Baden geeignet. Oberhalb der Steilküsten haben wir eine sehr schöne Wanderung von Rubicon aus zu diesen Buchten gemacht und natürlich auch gebadet. Ein zweites Mal sind wir in eine der Buchten mit der MariaNoa zum Ankern gefahren und konnte hier das erste Mal unseren neuen Rocna Anker ausprobieren, der sich sehr gut bewährt hat.

Ein misslungener und ein erfolgreicher Abstecher nach La Graciosia

Bei unser zweifachen Inselumrundung von Lanzarote hatten wir auch zweimal „Kontakt“ zu der Insel La Graciosia. Unser erster Besuch war eher etwas dramatisch geprägt und fand während unseres einwöchigen Skippertrainings statt. Eine der Buchten im Süden von La Graciosia hatten wir uns zum Ankern ausgeguckt. Das Ankermanöver am späten Nachmittag verlief soweit auch recht gut. Wir hatten ein entspanntes Abendessen, haben noch eine Runde Gesellschaftsspiele gespielt und sind zeitig zu Bett gegangen. Um 24:00 Uhr riss uns allerdings der Ankeralarm aus dem Bett, der Wind hatte mittlerweile auch ganz schön aufgefrischt. Die anfängliche Hoffnung, dass es sich um einen Fehlalarm handelt, hat sich allerdings nicht bestätigt, der Anker war tatsächlich am Rutschen. Hannes schmiss schnell den Motor an, während Skipper Udo den Anker hob, und brachte uns aus der Bucht heraus. Die Windverhältnisse in einer Nachbarbucht waren auch nicht besser und so wurde entschieden, eine Nachtfahrt nach Rubicon einzulegen, wo wir nach 7 Stunden Fahrt stark übermüdet ankamen.

 

Der zweite Besuch war dann schon wesentlich erfolgreicher. Auf Ankern haben wir komplett verzichtet und sind gleich in in den Hafen „Caleta del Sebo“ eingelaufen. Wir bekamen einen Liegeplatz in der Hafeneinfahrt zugewiesen, wo wir im Laufe des Nachmittags von der Guardia Civil und einige Fähren ziemlich zugeparkt worden sind. Der Platz war nicht so richtig der Hit und zudem auch noch überraschend teuer. Nach der ersten Übernachtung packten wir am nächsten Morgen unsere Fahrräder, Hannes Kinder haben sich im Ort Mountainbikes ausgeliehen und los ging die Tour über die Insel. Über Schotterpisten, aus denen die Wege und Straßen hauptsächlich auf La Graciosa bestehen, sind wir auf Entdeckungstour gegangen. Die Landschaft ist schon sehr karg aber strömt einen spröden Charme aus, besonders beeindruckt waren wir von den tollen Stränden, teilweise naturbelassen, menschenleer und auf der anderen Seite fast karibisch anmutend und sehr lebhaft besucht. Die Insel ist auf jeden Fall einen Abstecher wert, der uns sehr gefallen hat.

Ein Mensch ohne Träume ist wie ein Boot ohne Segel