„Provo Radio, Provo Radio“ – Segeln in den Turks and Caico`s Islands

„Provo Radio, Provo Radio“ – Segeln in den Turks and Caico`s Islands

„Provo Radio, Provo Radio, this is SY MariaNoa, over.“ „Provo Radio, Provo Radio, this is SY MariaNoa, over.“ Nach mehrmaligem Rufen auf Kanal 16 meldet sich Provo Radio und wir können uns von Luperon in der Dominikanischen Republik kommend bei Annäherung an die Hoheitsgewässer der Turks and Caicos Islands ordnungsgemäß anmelden. Dem Rand der Caicos Bank nähern wir uns von Süden mit Kurs zur Insel Providenciales. Wir vereinbaren mit Provo Radio dass wir uns erneut melden, sobald wir in der Sapodilla Bay vor Anker gegangen sind. Provo Radio fordert uns auf, zum Einklarieren zum South Dock zu gehen. Etwas illegal landen wir mit unserem Dingy an einem privaten Steg an und begeben uns auf den langen Weg zum Werksgelände von South Dock, wo wir vom Werksschutz mit Sicherheitskleidung ausgestattet werden. Bei Customs and Immigration wird uns dann aber erklärt, dass bereits seit Jahren, also seit Beginn der Covid-Pandemie Privatsegler hier nur noch im Notfall einklariert werden. Wir möchten uns bitte zur South Side Marina begeben. Überrascht und etwas genervt laufen wir den langen Weg zurück. Die Zeit wird knapp, wenn wir es noch rechtzeitig am selben Tag schaffen wollen. Wir gehen vor der South Side Marina vor Anker, das Marinapersonal ist sehr hilfsbereit und ruft sowohl Immigration als auch Customs telefonisch herbei.

Flaute auf der Caicos Bank

Nachdem wir Caro und Alex vom Flughafen abgeholt haben und auf die MariaNoa gebracht haben, starten wir am Folgetag Richtung Osten. Es herrscht Flaute, was uns das anstrengende Aufkreuzen bzw. ein ruppiges Gegenanmotoren erspart. Die Caicos befinden sich auf einer riesigen Korallenbank, die plötzlich aus 1.000 m tiefem Wasser aufragt. Mitten auf der Caicos Bank stellen wir die Motoren ab und legen einen Badestop ein. Es ist ein außergewöhnlicher Tag. Das Wasser ist spiegelglatt, MariaNoa scheint über dem Grund zu schweben, Wasser und Himmel verschmelzen, der Horizont ist kaum zu erkennen. Vor dem Sprung über die Turks Islands Passage nach Grand Turk gehen wir hinter Six Hill Cays vor Anker.

Cruise Ship Center auf Grand Turk

Grand Turk erreichen wir nach einem weiterhin nahezu windlosen Tag. Wir versuchen im Kitlina Cut direkt vor dem Ortskern von Cockburn Town in der ausgewiesenen Anchorage vor Anker zu gehen. Ein starker Schwell macht dies auch hinter den Korallenbänken unmöglich, die Brandung schlägt gegen die Kaimauern und läuft unter dem Anlegesteg durch. So gefährden wir das Schiff und ggf. uns selbst. Beim Ankerversuch verfängt sich der Anker in einer Versorgungsleitung. Dieser ist nur durch einen beherzten Sprung ins Wasser zu klarieren.

Einige Meilen südlicher nimmt in der Nähe des Cruise Ship Center der Schwell deutlich ab. Wir brauchen dringend Internet und landen am Gouvenor Beach mit dem Dingy an. Hier treffen wir auf Christie und Mark und 4 weiteren befreundete Kanadiern, die ausgesprochen hilfsbereit uns mit ihrem Auto zunächst zu Digicell und dann zu Flow den Internetprovidern fahren. Beide sind entgegen der ausgewiesenen Öffnungszeiten bereits geschlossen, sodass wir uns für den nächsten Morgen zu einem neuen Versuch verabreden. Nachdem das Internetproblem gelöst ist, laden unsere neuen Freunde uns zu einer Rundfahrt über ihre Insel Grand Turk ein, auf der sie seit einigen Jahren ein Ferienhaus besitzen.

Mit dem Kayak nach Gibb`s Cay

Durch den s.g. Great Cut segeln bzw. motoren wir am nächsten Tag nach Gibb`s Cay einer kleinen unbewohnten Insel östlich von Grand Turk. Hier bleiben wir für zwei Nächte und genießen die Natur mit einem ausgedehnten Spaziergang, Schnorcheln und Kayak fahren.

Zurück mit dem Parasailor

Zurück geht es mit dem Parasailor nach Cockburn Harbour auf South Caicos. Cockburn Harbour ist eher ernüchternd als ein attraktiver Ort der Turks and Caicos. Die Ortschaft ist nahezu verlassen, die Gebäude in einem erbärmlichen Zustand.

Wir haben uns vorgenommen uns die Caicos auch von Norden anzusehen. Vorbei an East Caicos segeln wir zum Gambol Cut auf Middle Caicos. Auf dem Weg dorthin begegnen wir einer Familie Buckelwale. Die See kocht, Fontänen sind weithin sichtbar und die schweren Tiere katapultieren sich immer wieder aus dem Wasser, um entsprechend spektakulär wieder darin zu versinken.

Durch den Riffgürtel

Die Passage Gambol Cut durch den Riffgürtel kostet uns die letzten Nerven. Sie ist wesentlich enger als ausgewiesen und kaum zu erkennen. Außerdem liegen unmittelbar dahinter die nächsten Korallenblöcke quer zur Fahrtrichtung. Ich nehme mir ein Herz und fahre hindurch, eigentlich war es viel zu gefährlich. Aber in den nächsten Wochen werden uns vergleichbare Situationen immer wieder begegnen – wir müssen üben, uns zu überwinden. Der erwartete Ententeich hinter dem Korallenriffgürtel bleibt aus. Es folgt eine der unruhigsten Nächte unserer bisherigen Reise.

Delfine am Ankerplatz

Vorbei an North Caicos segeln wir in die bekannte Grace Bay und kehren damit zurück nach Providenciales – nur eben jetzt von Norden. Grace Bay ist das touristische Zentrum der Turks and Caicos. Hier steht ein Hotel neben dem anderen, fahren Touristenboote kreuz und quer und erzeugen mächtig Schwell in unserer Anchorage. Wir sind direkt vor einem unbebauten Grundstück vor Anker gegangen. Hier stören wir niemanden. Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang zur Sharkbitebar in der Nähe der Turtle Cove Marina. Die Bar ist leider geschlossen – wir sind viel zu früh am Morgen unterwegs.  Ein paar Delfine besuchen uns neugierig am Ankerplatz.

Iguanas auf Little Water Cay

Ebenfalls neugierig statt scheu sind die Iguanas auf Little Water Cay. Sie sind es gewohnt, dass immer wieder Touristenboote anlanden, um sie zu besuchen. Die prähistorisch anmutenden Tiere sind überall im Unterholz aber auch im Schatten auf Sandflächen unterwegs. Wir besuchen Little Water Cay bei tief stehender Sonne. Iguana Islands hat zu dieser Tageszeit eine besonders pittoreske Ausstrahlung.

Zuletzt verlegen wir MariaNoa in die Anchorage vor der Blue Haven Marina. Hier haben wir leistungsfähiges Internet, um auf YouTube unsere Filme zu bearbeiten. Mit einem Mietwagen besuchen wir die letzten Ecken von Providentiales, die wir noch nicht kennen, bringen Caro und Alex zum Flughafen und bunkern, wegen der horrenden Preise zähneknirschend, für unsere Zeit auf den Bahamas.

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