Manövrierunfähig – Propeller verloren!

Manövrierunfähig – Propeller verloren!

  • Beitrags-Kategorie:Technik

große Selbstzweifel

Unser kleiner Technikfilm über die Montage der Ropecutter und Propeller im Dezember auf Martinique war bereits fertiggestellt und zur Veröffentlichung bei YouTube hochgeladen. Dann geschah das Undenkbare: im Ankermanöver vor der Marina Riviere Sens im Südwesten von Guadeloupe haben wir den Backbordpropeller inkl. Ropecutter verloren. Da ich erst vor 3 Monaten eben diesen Propeller selbst montiert habe, befallen mich nun große Selbstzweifel, was ich nicht fachgerecht durchgeführt habe. In jedem Fall habe ich den Film zunächst zurückgezogen.

Faltpropeller & Ropestripper

Auf den Yanmar SD 60 Saildrives unseres Katamarans Lagoon 40 MariaNoa sind je ein Flex-O-Fold Faltpropeller montiert. Zusätzlich hatten wir vor der Erstwasserung so genannte Ropestripper von Ambassador Marine montieren lassen. Da diese Montage mangelhaft war, kam es am Steuerbord-Saildrive vor Barbados zum Schaden, sodass der Faltpropeller demontiert werden musste. Auch die Anoden waren so verbraucht, dass die Demontage notwendig wurde. Bei diesem Propellermodell ist es nicht möglich die Anoden ohne Demontage der Propeller zu tauschen.

De- & Remontage

MariaNoa wurde im Dezember letzten Jahres auf Land gesetzt. Die De- sowie die Remontage der Propeller wollte ich unbedingt selbst durchführen, da ich der Ursache des Schadens auf den Grund gehen wollte.

Ein Segelfreund mit sichtlich mehr Ahnung als ich, betont dass sowohl die zentrale Mutter als auch die Sicherungsschraube mit Sicherungsblech bei einer Remontage des Faltpropellers auf den Saildrive gegen jeweils ein neues Exemplar zu tauschen ist. Neue Originalschrauben vom Hersteller haben hierbei werkseitig aufgebrachtes Loctite d.h. eine flüssige nach Montage abbindende Schraubensicherung. Alle anderen Schrauben sind mit Loctite zu versehen. Zusätzlich ist darauf zu achten, dass das Sicherungsblech fachgerecht gekantet wird. Es ist aber auch darauf zu achten, dass bei wiederholter Verwendung dieses Sicherungsblech an seinen Kantungen nicht bricht.

Was ist nun falsch gelaufen, wo liegt der Fehler?

Exakt werde ich dies nie erfahren, da der Propeller ja irgendwo in der Tiefe des Meeres liegt. Ich vermute mehrere Dinge, die in Kombination zum Verlust des Propellers geführt haben:

  1. Verwendung der alten zentralen Mutter sowie der alten Sicherungsschraube mit Sicherungsblech.
  2. Nicht fachgerechte Ausführung der Kantung des Sicherungsbleches.
  3. Altes zu dünnflüssiges Loctite, das ggf. nicht abgebunden hat.

UPS & DHL

Ich habe einen neuen Faltpropeller bei Flexofold Dänemark bestellt. Die Bestellannahme dauerte ein paar Tage, die Versendung per UPS nach Guadeloupe erfolgte in unglaublich kurzen 2-3 Tagen. Allein die Auslieferung an die hiesige Marina gestaltet sich als dramatisch, da eine direkte Kommunikation bewusst nicht gewünscht ist.

Der RopeCutter von Ambassador Marine Großbritannien wurde per DHL versandt. Die Bestellannahme ist hier eine Katastrophe, die Dringlichkeit ist einfach nicht vermittelbar. Der Transport nach Guadeloupe erfolgt dann ebenfalls unfassbar schnell. Aber auch hier ist die Auslieferung eine Zumutung, da ein direkter Kontakt auch hier ausgeschlossen ist.

So harren wir der Dinge in Angst, dass die jeweiligen Spediteure aufgrund von Desinteresse die jeweilige Lieferung einfach an den Absender zurücksenden.

Fakten:

Motor: YANMAR 4JH45

Saildrive: YANMAR SD60

Ropecutter: 3-Flügel-RopeCutter von AmbassadorMarine, Adapter Kit

Propeller: Flexofold 3-Flügel Faltpropeller 17×14 LH SD FOF M20

Anoden: AmbassadorMarine Sonderanode + Standard-SD-Endanode

Backbord, nicht aber nach Steuerbord

Am Mittwoch, d. 23.03.2022 konnte ich im Ankermanöver vor der Marina Riviere Sens an der Süd-West-Ecke von Guadeloupe plötzlich nur noch nach Backbord nicht aber nach Steuerbord manövrieren. Nachdem wir doch irgendwie den Anker sicher ausgebracht hatten, stellte sich sehr schnell das Undenkbare heraus: wir hatten den Backbordpropeller verloren. Nun galt es vor allem die Ersatzteile zu organisieren. Nach einigem hin und her entschied ich mich sowohl den Propeller als auch den RopeCutter direkt bei den jeweiligen Herstellern zu bestellen.

Mit Hilfe der Marinieros konnten wir am Montag darauf also am 28.03.2022 in die Marina verholen. Am selben Tag wurden sowohl bei AmbassadorMarine in GB als auch bei Flexofold in DK die entsprechenden Ersatzteile geordert. Nun begann vor allem das große Warten welches wir uns mit Erkundungstouren auf Goudeloupe vertrieben haben. Die Lieferzeiten waren sehr, sehr unterschiedlich und dadurch geprägt, dass es generell kaum möglich ist mit dem jeweiligen Fahrer direkten Kontakt aufzunehmen oder z.B. die Mobilfunknummer zu hinterlegen. So drohte eine Lieferung bereits wieder an den Absender zurückgesandt zu werden, da deren Annahme angeblich zweimal abgelehnt worden sei – wie absurd ist das denn. Aufklärung verschaffte Marina von der Ile Segal mit Ihrem Engagement in französischer Sprache. Herzlichen Dank.

Die eine Lieferung dauerte eine gute Woche, die andere 14 Tage. Der Schock saß aber tief als sich herausstellte, dass die eine Lieferung unvollständig war. Allein um dies zu monieren, vergingen wieder 4 Tage – es war zum wahnsinnig werden. Die Nachlieferung brauchte von Großbritannien nach Guadeloupe dann keine 2 Tage. Wenn man will, dann geht das auch. Wenn man will …

Nachdem nun alle Bauteile angeliefert waren, musste der Propeller für die Montage mit dem RopeCutter modifiziert werden. In einem fremden Land ohne entsprechende Sprachkenntnisse einen geeigneten Handwerksbetrieb zu finden, funktionierte erneut nur mit örtlicher Hilfe. Danke Frances!

Kristel und Philipp von der SY Amae, die mit Motorschaden schon viel länger in der Marina liegen als ich, stehen mir zur Seite als es am Dienstag nach Ostern endlich losgeht. Mit Hilfe der Marineros wird MariaNoa aus dem Hafen geschafft. Starke böige Winde sorgen für ein panisches Chaos. Eine Festmacherleine geht verloren, ein Nachbarschiff vertreibt.

Riggkonzept

MariaNoa wird an eine Pier in Basse Terre verholt, um dort von einem Kran an Land gesetzt zu werden. Ein Squal nach dem anderen sorgen für ein abenteuerliches Erlebnis, da MariaNoa mit nur einer Maschine in der Anfahrt an die Pier nicht zu kontrollieren ist. Mit viel Schwung gelingt es mir endlich.

Die bereitstehenden Männer schauen entsetzt auf das neue Riggkonzept von Lagoon mit dem weit achtern stehenden Mast und entsprechend weit achtern ansetzenden Wanten. Mit Ihrem Kran ist es unmöglich MariaNoa aus dem Wasser zu heben. Ratlosigkeit macht sich breit.

Nach einem konfusen Pallaver über mehr oder weniger realisierbare Alternativen, die alle weitere entsetzliche Zeit bedeutet hätten, biete Frances an, den Propeller unter Wasser zu montieren. Nach vielleicht einer Stunde sind der RopeCutter und der Propeller montiert.

Da es inzwischen spät am Abend ist, verbleibe ich über Nacht an der Pier und kehre am folgenden Morgen diesmal mit eigener Kraft zur Marina Riviere Sens zurück, um einerseits meine Festmacherleine abzuholen und bedanke mich anderseits nochmals bei Kristel und Philipp, nicht ohne sie zu bitten, sich in unserem Gästebuch zu verewigen. Am selben Tag noch segle ich nach Pigeon Island und genieße den ersten freien Sonnenuntergang in einer Anchorage.

Wieder frei!

Seit heute bin ich wieder mit MariaNoa in der Karibik unterwegs. Nach 4 Wochen manövrierunfähig in einer Marina genieße ich den Sonnenuntergang in einer Anchorage und das Schnorcheln bei Pigeon Island.

nur ein Provisorium

Für mich ist die Unterwassermontage nur ein Provisorium. Deshalb werde ich zeitnah das Schiff aus dem Wasser nehmen, beide Propeller neu montieren und dabei die Anoden tauschen.

North Sound Marina

Die Anfahrt zur North Sound Marina ist vom Ankerplatz vor Great Bird Island nur kurz aber wegen der vielen Untiefen nicht anspruchslos. MariaNoa hatte ich schon in aller Ruhe am Ankerplatz vorbereitet.

Bei starken Seitenwinden ist das Anmanövrieren nicht einfach, gelingt aber reibungslos. Die Werftarbeiter können sich die vorbereiteten Leinen am Relingszaun greifen. MariaNoa wird mit dem Travellift an seinen Platz gleich neben der Anlandungsstelle verbracht. Da ich nur 24 Stunden gebucht habe ist diese räumliche Nähe nachvollziehbar. Ich beginne unverzüglich mit den Arbeiten.

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Backbord sieht man den erst kürzlich montierten neuen Propeller. Auch dieser wird de- und nach Tausch der Saildrive-Anode remontiert.

An Steuerbord ist der seit 4 Monaten montierte Propeller zunächst vor seiner Demontage zu reinigen. Dies gelingt mit einer auf den Akkuschrauber aufgesetzten rotierenden Drahtbürste erstaunlich leicht. Dann erfolgt die schrittweise Demontage. Eine ausführliche Dokumentation dieser Arbeiten erfolgt in einem separaten Technikfilm.

Zwei Dinge seien aber schon einmal angemerkt:

  1. Die zentrale Mutter lässt sich viel zu leicht lösen und
  2. Nachdem ich langsam weiß, worauf bei der Modifikation des Propellers zu achten ist, dass weder der Boden plan hergestellt ist noch die Löcher so gebohrt sind, dass Stripper- und Propellerflügel übereinstimmen.

Nach dem Tausch der Saildrive-Anode ist bei der Remontage darauf zu achten, dass alle Schrauben frisches Loctite erhalten, die zentrale Mutter mit aller Kraft montiert wird und die Konterscheibe sauber umgebördelt wird.

Nach exakt 24 h verlasse ich die Werft und kehre zurück in die nahe Anchorage um MariaNoa in aller Ruhe aufzuklaren.

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