Wir segeln nicht nur um des Segeln Willen

Wir segeln nicht nur um des Segeln Willen

Gran Canaria

Wir segeln nicht um des Segelns Willen, sondern um auf eine wunderbare Art und Weise die Welt zu bereisen und diese kennenzulernen. Schon rein zeitlich steht die Erkundung von Land und Leuten gegenüber dem Segeln selbst im Vordergrund. Nach unserer Überfahrt von Fuerteventura haben wir in Las Palmas auf Gran Canaria für 10 Tage ein Auto gemietet und sind kreuz und quer über die Insel gefahren.

Sprachkurs

Heute Morgen haben wir den Wagen zurückgegeben, kurz bevor wir am kommenden Montag mit unserem Sprachkurs beginnen. 4 Wochen lang wollen wir uns mit einer der Weltsprachen beschäftigen, um nicht nur hier auf den Kanaren sondern in diversen weiteren Ländern auf unserer Barfußroute den Menschen mit etwas mehr Respekt begegnen zu können. Trotz Corona hoffen wir darauf auch unsere Patenkinder in Honduras, Ecuador und Guatemala besuchen zu können und die Arbeit von Plan International zu dokumentieren. Ein Basiswissen Spanisch sollte hierbei hilfreich sein.

Wetter

Faszinierend auf Gran Canaria ist tatsächlich die Wettersituation. Während auf La Graziosa, Lanzarote und Fuerteventura es eigentlich nur ein Einheitswetter gab, nämlich Sonne satt, und die Tage sich durch Windstärken definierten, gibt es hier in Las Palmas vergleichsweise richtig schlechtes Wetter. Von Norden über den Atlantik heranziehende Feuchtigkeit staut sich an der knapp 2.000 m hohen Insel Gran Canaria und hüllt den Norden insbesondere Las Palmas in Wolken. Unter diesen Wolken ist es ungewohnt frisch, wir haben uns abends häufig ins Innere von unserer MariaNoa zurückgezogen. Setzt man sich aber ins Auto und fährt auf der 3-spurigen Autobahn GC-1 Richtung Süden oder nimmt man eine der vielen Serpentinenstraßen hoch in die Berge, dauert es vielleicht 15 Minuten und wir dürfen herrlichsten Sonnenschein genießen. Während in der Marina knapp über 20°C sind, steigen die Temperaturen hier bis auf 30°C. Dieses Phänomen ist für unsere Gewohnheiten schon sehr ungewohnt. Aus dem kühlen Las Palmas binnen 40 Minuten zum Badespaß in Maspalomas, eine Reise wie zwischen Jahreszeiten. 40 Minuten aus dem Herbst in den Hochsommer. Außerdem sind wir es gewohnt, dass sich die Luft abkühlt, um so höher sich das Auto die Serpentinen schraubt. Hier ist es genau andersherum.

Autobahnen versus Serpentinen

Während die bestens ausgebauten Autobahnen an den Küsten trotz des teilweise immensen Verkehrs ein schnelles Vorankommen garantieren, sind die pittoresken Serpentinen in den Bergen natürlich nicht zum Rasen geeignet. Sie sind meist aber so malerisch, dass die 1,5 h nach Teror ein wahrer Genuss sind.

Teror

Das Städtchen Teror hat eine bildschöne Altstadt rund um eine Kathedrale, Straßen und Plätze laden zum Schlendern und Verweilen ein. In der nach mehreren Zerstörungen im 18. Jahrhundert wieder erbauten Basilika „Nuestra Señora del Pino“ befindet sich auf einem prächtigen Barockaltar eine holzgeschnitzte Statue der Jungfrau Maria mit dem Kind (Virgen del pino). Laut Überlieferung soll Maria im Jahre 1481, also zwei Jahre vor der endgültigen Eroberung der Insel durch Juan Rejón für die Spanische Krone, einigen Bewohnern der Insel in einer Pinie (Pino) erschienen sein. Sie wurde 1912 von Papst Pius XII zur Schutzheiligen von Gran Canaria erklärt, und deshalb finden von Mitte August bis Mitte September Feierlichkeiten zu Ehren von Maria statt.

Teror ist bekannt für seine architektonisch vielfältigen zumeist hölzernen Balkone an den Häuserfronten. Je prächtiger die Balkone ausgeführt waren, umso wohlhabender waren die Familien, die in ihnen wohnten.

Wir genießen den soundsovielten Eiskaffee – einfach herrlich. Immer wieder treffen wir auf Treppen mit Blumenanpflanzungen oder sogar kleinen Wasserkaskaden, die zwischen den Häusern der Altstadt die steilen Hänge hinauf- bzw. hinabführen. Apropos Blumen: dank des „schlechten Wetters“ im Norden von Gran Canaria ist dieser mit einem üppigen Grün überzogen – Balsam für die Seele! Lanzarote und Fuerteventura sind als Vulkaninseln faszinierend karg, wucherndes Grün tut nach all dieser Kargheit einfach den Augen gut.

Firgas

Knapp eine Stunde Serpentinenfahrt weiter halten wir in Firgas. 1995 entwarfen mehrere spanische Künstler im Stadtkern den Paseo de Gran Canaria eine Promenade, eine besonders aufwendig gestaltete Treppenanlage. Die 21 Gemeinden von Gran Canaria aus gebrannten Kacheln schmücken die Wände, darunter dazugehörige Sitzbänke ebenfalls aus farbenfrohen Kacheln mit Gemeindemotiven. Zwischen den parallel verlaufenden Treppenläufen wieder aus Kacheln Darstellungen aller Kanarischen Inseln. Eine Kaskade führt viel Wasser und sorgt mit dem Plätschern für eine herrliche Stimmung. Firgas war bereits in früheren Zeiten auf der gesamten Insel für die im nahe gelegenen Barranco de La Montaña entspringenden Wasserquellen bekannt. Selbst heute wird das Mineralwasser auf den gesamten kanarischen Inseln vertrieben.

Los Tilos de Moya

Nach gefühlt weiteren 10.000 Serpentinen starten wir in der Nähe von Moya zu einer kleinen Wanderung. Sie führt uns in einem grün überwucherten Tal entlang dem Sträßchen durch einen üppigen Lorbeerwald. Herrlich, die Schatten spendende Baumkronen tun so gut. Die Schlucht liegt im Naturschutzgebiet Reserva Natural Especial de Los Tilos de Moya, das eingerichtet wurde, um das letzte Stückchen Lorbeerwald der Insel vor Abholzung zu schützen. Früher war der gesamte Norden mit den duftenden Lorbeerbäumen bewachsen, heute allerdings umfasst der subtropische Dschungelgebiet nur noch 92 Hektar, was weniger als 1% des ursprünglichen Verbreitungsgebiets ausmacht. Wer den Lorbeerwald und die Schlucht mit ihren Hängen zwischen 500 und 800 Metern erkunden möchte, hat die Möglichkeit ausgehend vom Naturschutzzentrum einem ca. 2 Kilometer langen Rundwanderweg, der auch einen kleinen Lehrpfad beinhaltet, zu folgen.

Arucas

Berühmt ist Arucas wegen Ihrer „gotischen Kathedrale“ – es ist das Wahrzeichen der Stadt. Allerdings ist San Juan Bautista (‚hl. Johannes der Täufer‘), nicht gotisch, denn sie wurde erst 1909–1917 also im Stile der Neugotik errichtet. Nach Plänen des katalanischen Architekten Manuel Vega y March ragen drei Türme über einem Dreiecksgrundriss mit den Palmen um die Wette in den Himmel. Jede Alternative zum kreuzförmigen Grundriss einer mehrschiffigen Basilika wäre in der Gotik unvorstellbar. Weiterhin wird die Pfarrkirche oft fälschlich als Kathedrale bezeichnet, obgleich sie keine Bischofskirche ist. Das Baumaterial, der dunkle Aruca-Basalt (sehr langsam erkaltete Lava), ist sehr witterungsbeständig, wird noch von einigen Steinmetzen der Stadt verwendet und in örtlichen Steinbrüchen (canterías) gebrochen. Weithin bekannt ist die Rumfabrik (Destilería Arehucas) an der Straße Richtung Firgas. Besucher können sich in dem angegliederten Rummuseum im Rahmen einer Führung (Museo de Ron) über Produktion und Lagerung informieren. Einige ausgestellte Eichenfässer tragen die Autogramme berühmter Besucher, wie unter anderem des spanischen Königs, Plácido Domingos, Julio Iglesias, Anatoli Karpows, Willy Brandts und Walter Scheels. Die Fabrik produziert auch Rum-Mixturen wie Bananen- oder Honigrum. Zuckerrohr wird allerdings nur noch in geringen Mengen hier angebaut, sondern kommt aus Spanien oder Übersee. Besonders hat uns der Parque Municipal der Stadtpark zum Fotografieren animiert. Er ist, mit vielen kanarisch-endemischen und exotischen Pflanzen und Bäumen, eine weitere Attraktion des Ortes.

Finca la Laja

Die Kaffee und Wein Plantage liegt im fruchtbaren Tal von Agaete im Nord-Westen der Insel. Agaete ist der einzige Ort in Europa, wo Kaffeeanbau möglich ist, denn es kommt hierfür auf viele Faktoren an, die hier im fruchtbaren und grünem Tal Agaete erfüllt werden. Der Norden der Insel unterscheidet sich deutlich vom kargen Süden Gran Canarias. Die Finca La Laja & Bodega Los Berrazales liegt in der Schlucht von Agaete mitten in den Bergen in dem Bergdorf Vecindad de Enfrente, welches zu den ältesten besiedelten Teilen Gran Canarias zählt. Eine sympathische Führung führt uns über die 12 Hektar große landwirtschaftliche Farm. Auf der Finca La Laja werden eine Vielzahl einheimischer Obstsorten angebaut, wie Orangen, Mangos, Guaven, Papayas, Weintrauben, Avocados und eben Kaffee. Eine Weinverköstigung mit weiteren Köstlichkeiten wie Käse, Mojos und einer Kaffee-Apfel-Marmelade sollten uns zum Shopping animieren – wir sind dem gerne nachgekommen.

Roque Bentayga

Der Morro de la Agujereada ist mit einer Höhe von 1956 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Berg auf Gran Canaria. Mit 1949 m bildet der Pozo de las Nieves die zweithöchste Erhebung von Gran Canaria. Diese ist nicht besonders markant wird aber von den Basaltfelsen Roque Nublo und Roque de Bentayga markiert. Wir haben uns den Roque de Bentayga mit seinem kleinen Museum für einen Aufstieg ausgesucht. Der Felsen diente zur Zeit der Ureinwohner den Canares als Rückzugs- und Kultstätte. In dem Museum wird insbesondere auf diese für uns unvorstellbare Besiedlung eingegangen, denn sie ist weit entfernt von jeglichen Wasserquellen und landwirtschaftlich nutzbaren Flächen. Reste der häuslichen Bebauung zeugen von den entbehrungsreichen Zuständen, unter denen die Menschen hier Schutz suchten. Tejeda ist ein Pflichtprogrammpunkt für diejenigen, die das reiche archäologische Erbe der Insel entdecken möchten. Hier treffen wir auf archäologische Zeugen wie die Grabeshöhlen, Gravuren, Malereien und Häuser. Der Felsen Roque Bentayga ist ein Beispiel hierfür. Es handelt sich um ein einzigartiges natürliches Element, das für die Einheimischen ein geheiligter Ort war. Hier wurden Opfergaben dargelegt und die Götter verehrt. Im Felsen befinden sich die Höhlenanlagen Cuevas del Rey. Im Inneren der Höhlen trifft man auf zimmerähnliche Grotten, Kornkammern, Gravuren, Felsmalereien und verschiedene Bohrungen, die im Felsen vorgenommen wurden. Sie unterstreichen die Existenz eines religiösen prähispanischen Zentrums.

Tejeda

Tejeda ist ein am Hang gelegenes Bergdorf mit historischem Ortskern. Die höchsten Punkte der Gemeinde sind der Pico de las Nieves und der Roque Nublo. Ein Besucher der Gemeinde Tejeda sollte sich nicht einen Besuch der Pfarrkirche Nuestra Señora del Socorro entgehen lassen. Die Kirche stammt aus dem Jahre 1921, ist rechteckig gebaut worden und teilt sich in drei Kirchenschiffe mit immensen Fenstern auf, die dem Gotteshaus zu einer ungewöhnlichen Beleuchtung verhelfen. Außerdem beherbergt die Kirche einen wundervollen Altaraufsatz, der erst vor kurzem eingeweiht worden ist und als besonders herausragendes Element gilt. Die historische Hauptachse von Tejeda wird durch eine auf einer Höhenlinie verlaufende Dorfstraße mit herrlich geschmückten alten Häusern und Plätzen gebildet. Jede Querstraße folgt dem Gefälle des Berghangs und ist so steil, dass sie schon zu Fuß kaum zu bewältigen ist. Wiederholt öffnet sich ein spektaktueller  Blick ins Tal.

Dunas de Maspalomas

Die Wanderdünen von Maspalomas an der Südspitze von Gran Canaria erstrecken sich von Playa del Ingles bis Playa de Meloneras. Allein viermal sind wir mit dem Auto hierher schlicht zum Schwimmen aus dem kühlgrauen Las Palmas binnen ca. 40 Minuten ins hochsommerliche Maspalomas gefahren. Mal stärker mal schwächer bläst der Wind stetig flach über den feinen Sand, bildet und formt eine super ästhetische Dünenlandschaft. Unsere Fußstapfen auf dem Weg vom Auto zum Wasser sind auf dem Rückweg kaum noch zu entdecken. Ohne Windschutz wird man auf der Decke in der Sonne liegend dauerhaft gesandstrahlt und kommt sozusagen paniert jedes Mal nachhause. Die Brandung läuft abhängig von der Windstärke und den Gezeiten auf den flachen Strand und lädt immer wieder dazu ein, sich zu erfrischen. Maspalomas ist auch Zentrum der Schwulen- und Nudistenszene. Kinder und Großeltern, Sonnenanbeter und Wellenreiter mischen sich mit Narzissten auf der Suche nach dem streifenlosen Braun.

Natürlich haben wir das Mietauto auch genutzt, um unseren Jahrestag in Arguineguin in einem authentischen Fischrestaurant mit Seezunge und Papageifisch zu begehen. Auch nutzten wir es zu profanen Dingen wie Einkaufen und dem Füllen der Gasflaschen. Vor allem haben wir aber Gran Canaria kennengelernt und auf Widerruf zwei Entscheidungen getroffen: erstens werden wir Ende Juni direkt auf der Nordroute nach Teneriffa und nicht mehr nach Süden segeln. Und zweitens haben wir das Gefühl, uns doch einen recht ordentlichen Überblick über die Insel verschafft zu haben, sodass wir uns parallel zu unserem Sprachkurs in den kommenden vier Wochen nunmehr auf die Kultur und Sehenswürdigkeiten von Las Palmas konzentrieren können. Dies wollen wir mit unseren ebikes tun. Hier in der Stadt sicherlich das passendere Fahrzeug.

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